Das Rolling Home

Mein fahrbarer Untersatz, mit dem ich kürzere und längere Reisen in Europa unternehme. Hauptsächlich in den südlichen Regionen Europas: Frankreich, Spanien, Portugal und Italien. Die Nordländer zu bereisen überlasse ich den Heringsfischern und Krabbenliebhabern. Ich halte mich eher an die Barfussländer. 
Ich bin meist allein unterwegs mit meinem Fahrzeug. Ein Fiat Ducato 2.8 TDJ, Baujahr 2002, handgeschaltet mit beachtlich mageren 93 KW. Auf Autobahnen zuckle ich mit 90 -. 100 km/h gemütlich dahin. So komme ich mit ca. 10 Liter Diesel je 100 km aus. Der Weg ist das Ziel. Ich bin auf der Reise und nicht auf der Flucht. Der Aufbau stammt von der Firma Adriatic aus Slowenien. Das umgebaute LKW-Chassis ist schon 15 Jahre alt und hat mittlerweile etwa 100'000 km auf dem Buckel. Gebraucht gekauft waren noch allerhand An- und Einbauten vorzunehmen, um es für meine Bedürfnisse tauglich zu machen.
Als "Beiboot" dient ein feuerwehrrotes Mofa der Marke Tomos mit sagenhaften 50 ccm Hubraum. Auch bald ein Veteran. Für kleines Geld konnte ich es in der Nachbarschaft erwerben.
Anstatt der drei Musketiere machen also die drei Veteranen die Landschaft unsicher.

Das Doppelbett im Heck des Fahrzeugs ist erhöht angebracht. Also empfiehlt es sich, den Alkoholkonsum soweit im Griff zu haben, damit man abends noch hochklettern kann. 
Darunter ist die Heckgarage. Praktisch platziert. Von beiden Seiten von aussen zugänglich. Anfänglich waberte dort ein Durcheinander von Stühlen, Wagenheber, Auffahrkeile, Markisenkurbel, Küchenpapierrollen und Werkzeuzkisten herum. Bei jeder festen Bremsung konnte ich mich am Geräusch orientieren, dass alles noch da ist. Es rumpelte jeweils gewaltig. Das Rumpeln störte mich nicht mal so sehr. Was mir auf den Wecker ging war die Aus- und Einräumerei, weil das gesuchte Teil unweigerlich immer das Unterste war. Das Moped sollte auch noch irgenwie reingepfercht werden. Und das sollte doch anständig festgelascht werden. Einrichtungen dieser Art sind fertig zu kaufen und werden sogar direkt montiert. Aber die Preise orientieren sich eher an Schuhnummern oder Ablaufdaten für Dosenware als am effektiven Warenwert. Also war Selbermachen angesagt.
Ich wollte aber einen "richtigen" Tisch, nicht so eine wackelige Alu-Gurtband-Camping-Konstruktion. Also musste eine wetterfeste, verwindungssteife und lackierte Sperrholzplatte her. Und das mit 100 x 140 cm! Aber wo stauen? Ganz einfach, hängend unter dem Lattenrost des Doppelbetts. Eingeschoben in eine Fixierschiene an einem Kopfende und mit einen Riegel an der anderen Kopfseite. Wenn draussen aufgestellt, liegt die Platte auf zwei zusammenfaltbaren Malerböcken. Auch die haben flach hinter den Stühlen Platz. Fertig: Die Rumpelei hat ein Ende und das Moped hat seinen fixen Platz und wird über eine Aluschiene aus- und eingefahren. Kostenpunkt: Etwa CHF 300, einschliesslich Holz und Kunststoffkisten. Ohne Arbeitszeit gerechnet.
zurück

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen.
Wenn einer eine Reise tut, geht manchmal was kaputt.
So geschehen im Herbst 2016. Zwischen Hinterachse und Hinterkante meines Adria/Ducato sind gut und gerne 1.7 m. Also schert das Heck bei engen Kurven nach aussen aus. Theoretisch ist das schiere Geometrie. Pratisch führt das zu Scherereien. Dann nämlich, wenn der Fahrer zu dämlich ist, jedesmal genau hinzuschauen, wohin sich sein Heck wohl bewegen wird. So geschehen in Frankreich wo ich in einem Campingplatz elegant beweisen wollte, was für einen engen Wendekreis mein Gefährt in der Kurve hinkriegt. Im Spiegel bewegte sich urplötzlich eine schwere Blumenkiste direkt auf mein hintere Ecke zu.  Das Biest. Absichtlich! Das lag entweder am Spiegel oder an der Blumenkiste. Keinesfalls am Fahrer. Leider war ich allein unterwegs. Folglich konnte ich niemanden unberechtigt beschuldigen. So ein Quatsch.

Der langen Rede kurzer Sinn. 
Das Hecklicht war dann einfach hin.
Sind ja nur Plastikteile. Kosten kein Vermögen. Kann ich zu Hause ja selber Neue dranschrauben/kleben/dichten. Dachte ich. Die Lichter funktionierten noch. Somit konnte ich das hängende Gerödel mit Draht und Panzerband notdürftig befestigen. Das überstand dann auch die Heimreise bravourös. Es sah ein wenig nach "bricolage français" aus. Aber ich fuhr ja durch das Land der intelligenten Improvisationen.
Zu Hause angekommen bestellte ich die augenscheinlich gebrochenen Kunststoffteile beim Händler meines Vertrauens. Bereits nach einem Monat trafen diese ein. Zwei drei Stunden Arbeit, und die Karre ist geflickt. Das war der Plan. Den musste ich nach Abbau der kaputten Teile gründlich revidieren. 
Der Unterboden unter der Heckgarage war derart verfault, dass ich teilweise einfach meinen Finger reinstecken konnte. Die Schrauben der Aufhängung konnte ich fast alle von Hand rausziehen. Unversehens wandelte sich die Repartur auf die Schnelle in einen massiven Sanierungsfall. Massanfertigung eines neuen Unterbodens war angesagt. Eine Konstruktion aus Fichtenbalken, Sperrhozlplatten und Styrodur-gefüllten Zwischenräumen (XPS) war die Basis. Unten und oben eine Sperrholzplatte drauf. Die Unterseite mit Glasfaser-Roving und Epoxydharz beschichtet und auf der Oberseite eine neue PVC Folie aufkleben. Wenn möglich im selben Muster und Farbton wie das Original. Na ja. Anstatt der CHF 4000, die der Händler meines Vertrauens für die Reparatur haben wollte, habe ich 400 für das Material und 600 für 2 Tage auf dem Lift beim meinem Garagen-Kollegen bezahlt. Als Pensionierter ist meine Arbeitskraft eh nix mehr wert. Also kann ich dafür auch keine Fränkli einsetzen. Aber jetzt ist meine Wohnstube auf Rädern wieder strassentauglich und der Frühlingt reisst einen förmlich auf die Landstrasse.

Aigues Mortes, ein mittelalterliches Städtchen im Rhônedelta, früher mit einem Hafen und direktem Meerzugang. Das Delta hat das Gebiet versandet, sodass heute nurmehr ein ein Kanal den Zugang zu Meer erlaubt.
"Zeigt her eure Beine" ergab sich bei einem Pernod als Apéritif in einem Strassencafé. Interessant, was da alles an wohlgeformten, kräftigen, mickerigen, schiefen und doch eleganten Beinen an einem vorbeimarschiert. Alle nach dem ultimativen Urlaubs-Kick zum Shoppen oder zum gastronomischen Highlight stampfend, tretend, schlurfend oder hüpfend unterwegs.

47.507230 N 006.355930 E
Anstatt wie jedermann einfach ins Camping Bonnal zu fahren, kann auch am anderen Ufer des Bachs das Riesengelände des angrenzenden Parks genutzt werden. Der Besitzer, bietet gleichzeitig einIge Ferienwohnungn in umgebauten Ställen an. (hüsch und sanft renoviert). Die dortige Toilette kann mitbenutzt werden. Abfall kann entsorgt werden. Wasseranschluss und Strom sind nicht vorhanden. Für die Nacht verlangt er € 20.00. Umgerechnet auf die 20'000 m2, die ich zur Verfügung hatte: rechne! Während der Saison ist auch das Restaurant in 100 m Entfernung, La Forge de Bonnal, geöffnet. Jacqueline Serriére bietet einen spektakulären Service.